Es war im Jahr 1284. Hameln litt unter einer schrecklichen Rattenplage, als eines Tages ein fremder Mann erschien – bunt gekleidet, ein Pfeifchen in der Hand. Er versprach, die Stadt zu befreien. Gegen Lohn.
MMitten im Rhein, nahe Bingen, steht ein alter steinerner Turm, um den sich seit Jahrhunderten eine düstere Sage rankt. Während einer großen Hungersnot soll der mächtige Bischof Hatto von Mainz seine Kornspeicher gefüllt gehalten haben, obwohl die Menschen verzweifelt um Nahrung baten. Eines Tages versprach er den Hungernden Hilfe und lockte sie in eine große Scheune. Doch statt Brot erwartete sie der Tod: Hatto ließ die Türen verriegeln und das Gebäude anzünden. Als die Menschen in den Flammen umkamen, soll er gespottet haben, sie würden wie hungrige Mäuse quieken. Kurz darauf erschien eine gewaltige Mäuseplage. Tausende Tiere strömten durch Städte und Dörfer und verfolgten nur ein Ziel: den Bischof. Voller Angst floh Hatto auf eine kleine Insel im Rhein in einen steinernen Turm. Doch die Mäuse schwammen durch das Wasser, drangen in den Turm ein und verschwanden gemeinsam mit ihm in der Dunkelheit. Bis heute nennt man das Bauwerk den Mäuseturm. Und manche behaupten, man könne in nebligen Nächten noch immer ein leises Kratzen aus dem alten Turm hören.
UUrsprünglich diente der Turm vermutlich als Wach- und Signalturm für die Schifffahrt auf dem Rhein. Später wurde er zum Zollturm ausgebaut, denn an dieser engen Stelle des Flusses kontrollierte man den Handel und die vorbeiziehenden Schiffe. Heute gehört der Mäuseturm zu den bekanntesten Wahrzeichen Bingens. Besonders bei Nebel oder in der Abenddämmerung wirkt der kleine Turm auf der Rheininsel fast unwirklich – genau wie in der alten Sage. Von der Rheinpromenade oder der Burg Klopp aus hat man einen besonders schönen Blick auf den Turm und das Wasser des Binger Lochs.

DDirekt neben dem Mäuseturm liegt das sogenannte „Binger Loch“. Früher war diese Stelle eine der gefährlichsten Passagen des gesamten Rheins. Unter Wasser befanden sich scharfe Felsen und enge Strömungen, an denen unzählige Schiffe zerschellten oder kenterten. Schon die Römer kannten die gefährliche Engstelle. Erst im 19. Jahrhundert wurden große Teile der Felsen gesprengt, damit Schiffe sicherer passieren konnten. Viele Menschen glaubten damals, dass die unheimliche Stimmung rund um das Binger Loch und den Mäuseturm perfekt zur düsteren Sage vom grausamen Bischof Hatto passe. Bis heute umweht den Ort eine geheimnisvolle Atmosphäre.
Es war im Jahr 1284. Hameln litt unter einer schrecklichen Rattenplage, als eines Tages ein fremder Mann erschien – bunt gekleidet, ein Pfeifchen in der Hand…
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