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IIrgendwo vor der Küste Vorpommerns, tief unter dem kalten Wasser der Ostsee, soll sie liegen. Die reichste, schönste, prächtigste Stadt, die Europa je gesehen hat. Vineta. Die Stadttore waren aus Erz, das Tischgerät aus Gold, das gemeine Geschirr aus Silber. Kaufleute aus aller Welt ankerten in ihrem Hafen. Doch der Reichtum machte die Bewohner hochmütig und gottlos – und das Meer gab ihnen die Antwort. Drei Monate, drei Wochen und drei Tage vor dem Untergang erschien die Stadt als leuchtendes Luftgebilde über dem Wasser. Die Alten warnten. Niemand hörte hin. In einer einzigen Sturmnacht versank Vineta in den Fluten.
Noch heute soll man an stillen Abenden zu Neumond oder in der Johannisnacht die Glocken der versunkenen Stadt vom Meeresgrund heraufläuten hören. Wer mit reinem Herzen lauscht, der hört sie.

TTief im Buchenwald von Rügen, versteckt hinter uralten Stämmen und moosbedeckten Hängen, liegt ein See, der so still ist, dass man das Atmen vergisst. Der Herthasee. Dunkel, glatt, von Stille umgeben – als würde das Wasser etwas verbergen. Hier soll einst die Göttin Hertha gewohnt haben. Priester sagten mithilfe der Göttin die Zukunft voraus. Die Germanen glaubten, dass sie in diesem See badet – und wer ihr dabei zusah, zahlte mit dem Leben. Ihr Wagen wurde von weißen Kühen durch das Land gezogen, und wo sie erschien, herrschte Frieden. Wo sie verschwand, kam das Dunkel. Heute ist der See ein Wanderziel. Aber wer dort steht, wenn der Wald schweigt und das Wasser keine Welle schlägt, spürt: Hier war einmal etwas. Etwas, das noch nicht ganz gegangen ist.

„Zwischen alten Mauern und vergessenen Pfaden warten Geschichten darauf, wiedergefunden zu werden.“
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