
LLeipzig, 16. Jahrhundert. Ein Mann kommt in die Stadt — niemand weiß woher. Johann Georg Faust, Doktor, Alchemist, Schwarzkünstler. In Auerbachs Keller, einem Gewölbe tief unter dem Pflaster der Grimmaischen Straße, lässt er Wein aus bloßem Holz fließen, verwandelt verschütteten Tropfen in Feuer — und reitet schließlich auf einem Weinfass die Kellertreppe hinauf, hinaus in die Nacht.
Einer malte es an die Wand. Jahrhunderte später sah es ein junger Student aus Frankfurt. Sein Name war Goethe.
EEr lebte, zog durch die Städte des Reiches und hinterließ überall Gerüchte — über Teufelspakte, Zauberkunststücke, Dinge, die sich nicht erklären ließen. Zeitgenossen wie Philipp Melanchthon schrieben über ihn. Der Abt von Spanheim nannte ihn einen Marktschreier, einen Betrüger. Andere schwiegen lieber. Was ihn von anderen Scharlatanen seiner Zeit unterschied: Die Geschichten über ihn hörten nicht auf. Nicht nach seinem Tod. Nicht nach hundert Jahren. Nicht nach fünfhundert.

11625 ließ ein Nachfahre des Keller-Gründers den Fassritt des Doktor Faust auf Holz malen — als Attraktion für die Gäste, als Legende zum Anfassen. Die Bilder hingen im Gewölbe, rauchgeschwärzt, geheimnisvoll. Ein Jahrhundert später saß ein Student aus Frankfurt davor und suchte — so will es die Überlieferung — den versteckten Teufel im Bild. Er soll ihn nicht gefunden haben. Aber etwas anderes fand ihn: eine Geschichte, die er nicht mehr losließ. Johann Wolfgang von Goethe blieb drei Jahre in Leipzig. Was er in diesem Keller sah, trug er sein Leben lang mit sich.
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„Zwischen alten Mauern und vergessenen Pfaden warten Geschichten darauf, wiedergefunden zu werden.“
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